HINTERGRUND

Wissenschaften

Warum eigentlich Aktivköder, Fish-Attractants oder „Lockmittel“?

Der Mensch ist, als Jäger und Sammler, seit jeher gewohnt seine Beute & Nahrung mittels Sichtkontakt zu erspähen und zu erbeuten. Das muss aber nicht heißen, dass andere Spezies es ihm hier gleichtun.
Gerade bei Fischen, die unseren Planeten wesentlich länger bewohnen, hat die Evolution sich eher eine andere Strategie überlegt. So sind die meisten Fische von Natur aus kurzsichtig. Sie sehen nur bis zu einem Meter entfernte Objekte scharf. Im Wesentlichen funktioniert ein Fischauge zwar wie das eines Menschen, aber die Linse ist kugelig und starr. Sie kann nicht wie bei anderen Wirbeltieren ihre Form verändern, um Objekte in unterschiedlicher Entfernung zu fokussieren (Zitat [1]).

Die meisten Fische nutzen den Sehsinn weitaus weniger zur Nahrungsfindung als den Geruchs- und Geschmackssinn als chemischen Fernsinn [2]. Der Grund liegt auf der Hand, schließlich erreichen die Weltmeere und einige Seen beachtliche Tiefen, in denen das Tageslicht kaum eine Chance hat einzudringen. Sediment- und Sandaufwirbelungen wie auch Schwebeteilchen wie Plankton können die Sichtverhältnisse im Wasser zudem sehr einschränken.

Dennoch sind die Fische so ausgestattet, dass sie in größeren Tiefen und im trüben Wasser nicht verhungern müssen. Der Geruchssinn in Fischen ist im Wesentlichen durch das olfaktorische System (olfaction) geprägt, während der Geschmackssinn über einen weiteren Kanal chemische Reize wahrnimmt und verarbeitet. Beide Systeme nutzen chemische Botenstoffe als Informationsgeber/-vermittler [3]. Zuletzt wurde auch über ein drittes System berichtet, dass das soziale Verhalten beeinflussen soll [4].
Um das Geruchssystem reißen zu können, müssen die „Signalstoffe“ oder Geruchsstoffe in Wasser hydratisiert (= gelöst) sein, da die Rezeptoren nur so richtig aktiviert werden können. Es gibt viele wissenschaftliche Studien dazu, welche Substanzen, wie z.B. bestimmte Aminosäuren und andere Moleküle/Substanzen eine gute Lockwirkung haben [5-7]. Für die iCapio Aktivköder werden nur Fish-Attractants verwendet, für die ein positiver Effekt auf den Fressreiz von Raubfischen wissenschaftlich belegt werden konnte.
Gleichzeitig werden bestimmte Proteine eingesetzt, die charakteristisch für bestimmte Spezies (Beutefische wie z.B. Hering) sind. Hier ist zu erwähnen, dass Proteine aus einer Vielzahl von Einheiten bestehen, die über die bestimmte Sequenz charakteristisch sind und auch im Geschmack wiedererkannt werden können. Durch die polaren Bestandteile sind auch größere Proteine in Wasser zum Teil hydratisiert und löslich oder teillöslich, was eine Geschmacks- und Geruchswirkung zusätzlich verstärken und erst „individualisieren“ kann. Durch die Zugabe echter Fisch-Proteine und Fisch-Bestandteile in den iCapio Aktivköderkapseln werden zusätzlich charakteristische Stoffe an den Köder gebunden, die der Zielfisch von seinen natürlichen Beutefischen her kennt und wiedererkennt, bevor er zubeißt.
Der genaue Mechanismus, wie Fische Nahrung finden (z.B. der Tropfen Blut bei Haien), Ihren Weg zu Ihrem Heimatort wiederfinden (Aale, Lachse) oder sich auch im Wasser orientieren ist noch nicht genau entschlüsselt und weiterhin Gegenstand aktueller Forschungen [8,9].
„Der Geruchs- und Geschmackssinn der Forelle ist beispielsweise mehr als eine Million Mal feiner als der des Menschen. Ein Aal könnte sogar einen einzigen im Bodensee versenkten Zuckerwürfel riechen“ (Zitat [1]).

Beeindruckende wissenschaftliche Publikationen zeigen auch wie bei bestimmten Fischarten die stärksten Nervenbahnen direkt von den Nasen zum Fischgehirn verlaufen [10], was hier aufzeigt welchen Stellenwert der Geruchssinn bei diesen Fischen ausmacht, denn die Evolution hat diese Merkmale entsprechend ausgeprägt.

Wenn ich durch die Angelläden gehe, was ich sehr gerne mache (!), schmunzelt der Wissenschaftler in mir manchmal und ich muss an den Spruch denken „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler“: Es gibt die herkömmlichen Kunstköder in den variantenreichsten Farbkombinationen und Formen. Am Ende bleibt es aber salopp gesprochen „Plastik“, „Gummi“ oder „Blech“, dass der Zielfisch von seinem natürlichen Habitat her nicht (wieder)erkennt, um es als Beute zu identifizieren.

An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass auch ich mit herkömmlichen Kunstködern wie Wobbler oder Gummis sehr gern und oft, ja immer fische! Aber ich habe halt oft miterlebt wie diese „Sichtköder“ an ihre Grenzen stoßen, uns vor allem ist es erwiesen, dass Fische einen sehr effektiven Geruchssinn haben, den ich gern auch ansprechen möchte!
Rein wissenschaftlich ist es ein interessanter Ansatz diese Strategie zu überdenken, und nach anderen, vielleicht (auch) effizienteren Möglichkeiten zu suchen, was somit ein Ziel der Capere Science GmbH ist. Das Tätigkeitsfeld der Capere Science GmbH ist die Entwicklung neuartiger Aktivködersysteme, wobei aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse stets verfolgt, kritisch hinterfragt, getestet und angewendet werden. Die Zusammensetzungen der Aktivköder oder besser Aktivköder der Capere Science GmbH werden zudem stets weiterentwickelt und auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse optimiert.

Quellenverzeichnis

[1] Zitat Planet Wissen, ARD; Pia Grzesiak. Link: Zitat
[2] T. J. Hara; Mechanism of olfaction. In: T. J. Hara (Hrsg.): Fish chemoreception. Chapman and Hall (1992) p. 150–170.
[3] Toshiaki J. Hara; Role of Olfaction in Fish Behaviour. The Behaviour of Teleost Fishes (1986) p. 152-176.
[4] El Hassan Hamdani et al.; The functional organization of the fish olfactory system. Prog Neurobiol; NEUROBIOLOGY (2007) 82(2):80-6.
[5] Rolen SH et al.; Polyamines as olfactory stimuli in the goldfish Carassius auratus; The Journal of Experimental Biology, (2003) vol. 206, p. 1683-1696
[6] Derby CD and Sorenson PW; Neural Processing, Perception and Behavioral Responses to Natural Chemical Stimuli by Fish and Crustaceans; Journal of Chemical Ecology, (2008) vol. 34, p. 898-914
[7] J. A. Green and R. W. Hardy. The effects of dietary protein:energy ratio and amino acid pattern on nitrogen utilization and excretion of rainbow trout. Journal of Fish Biology (2008) Vol. 73 (3) p. 663–682
[8] A. C. Preston et al. Surface feeding and aggressive behaviour of diploid and triploid brown trout Salmo trutta during allopatric pair-wise matchings. J Fish Biol. (2014) 85(3) p. 882-900
[9] H. Ueda. Physiological mechanisms of imprinting and homing migration in Pacific salmon Oncorhynchus spp. Journal of Fish Biology (2012) Vol. 81(2) p. 543–558

[10] S.K. Ghosh and P. Chakrabarti. Studies on the morphology of the olfactory organ in the freshwater teleost, Labeo bata (Hamilton). Mesopot. J. Mar. Sci., 2013, 28(2); 163 - 174